Was ist ein Überholverbot und wie sieht das Überholverbot-Schild aus?
Ein Überholverbot bedeutet, dass man vorausfahrende Fahrzeuge nicht überholen darf. Manchmal gilt das für bestimmte Situationen oder Straßenabschnitte, manchmal gilt es auch nur für bestimmte Fahrzeuge, die nicht überholen oder überholt werden dürfen. Im Allgemeinen ist der Bereich des Überholverbots örtlich und zum Teil auch zeitlich begrenzt und wird dann mit entsprechenden Zusatzschildern gekennzeichnet. Ebenso sind Zusatzschilder angebracht, wenn das Überholverbot nur für bestimmte Fahrzeuge gültig ist, beispielsweise PKWs mit Anhänger oder Busse oder ab einem bestimmten Fahrzeuggewicht.
Ein offizielles Überholverbot erkennt man in der Regel durch ein Überholverbot-Schild. Dabei handelt es sich um ein rundes Verkehrszeichen mit rotem Rand, in dem zwei Autos dargestellt sind: links ein rotes (für das zu überholende Fahrzeug) und rechts ein schwarzes (für das überholende Fahrzeug). In dem Fall gilt ein generelles Überholverbot für alle.
Es gibt auch eine offizielle Variante, die nur für LKWs gilt, dann zeigt das Schild links einen roten LKW. Eine zweite Variante ist ein rotes Auto links und ein Fahrrad und ein Motorrad untereinander angeordnet in schwarz auf der rechten Seite. Dann dürfen Radfahrer und andere Zweiräder nicht von mehrspurigen Fahrzeugen überholt werden.
Wann und wo ist das Überholen verboten?
Neben dem Überholverbot-Schild, das angibt, wo das Überholen verboten ist, gibt es auch andere Situationen, in denen das Überholen verboten ist. Dazu gehören:
- Auf unübersichtlichen Straßenabschnitten (Kurven, Kuppen)
- Vor Bahnübergängen ohne Schranke
- In Tunneln, wenn es nicht ausdrücklich erlaubt ist
- An Fußgängerüberwegen
- An engen Stellen, wo der Gegenverkehr gefährdet wird
Ein Überholverbot gilt nicht nur dort, wo ein Schild steht. Auch ohne Beschilderung kann das Überholen untersagt sein, nämlich immer dann, wenn die Verkehrslage es nicht zulässt. Das kann bei eingeschränkter Sicht durch Kurven oder Nebel der Fall sein, aber auch dann, wenn Du den Gegenverkehr gefährden würdest oder wenn Du zum Überholen die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschreiten müsstest. Ebenso ist ein Überholen bei einer durchgezogenen Mittellinie tabu.
In welchen weiteren Situationen ist das Überholen unzulässig und darf man rechts überholen?
Manchmal wirkt eine Überholsituation harmlos, ist aber dennoch verboten. Zum Beispiel, wenn die Verkehrslage unklar ist und Du nicht sicher einschätzen kannst, ob die Strecke frei bleibt. Auch wenn der Vordermann den linken Blinker gesetzt hat, um selbst zu überholen, musst Du warten. Ebenso ist es untersagt, von hinten in einer Kolonne einen Überholvorgang zu starten, um an allen vorbeizuziehen. Hier gilt die klare Regelung, dass immer das vorderste Fahrzeug als erstes das Hindernis überholen darf und dann nacheinander die dahinterfahrenden Fahrzeuge. Gefährlich wird es außerdem, wenn Fußgänger oder Radfahrer in der Nähe sind. Selbst bei nasser Fahrbahn, Schnee oder Eis solltest Du Überholmanöver vermeiden, da der Bremsweg deutlich länger wird.
Rechts überholen ist im fließenden Verkehr verboten, es sei denn, es handelt sich um eine Straße innerhalb einer Ortschaft, die mehrere Fahrstreifen in die gleiche Richtung hat. Außerhalb von Ortschaften, beispielsweise auf Autobahnen, ist das Rechts überholen nur bei zähfließendem Verkehr zulässig. Wer unerlaubt rechts überholt, muss mindestens mit einem Bußgeld rechnen, je nach Situation auch mit Punkten und Fahrverbot.
Wann gilt ein Überholverbot von Fahrradfahrern?
Seit der neuen Straßennovelle gibt es das Überholverbot-Schild 277.1. Das Schild verbietet es, einspurige Fahrzeuge zu überholen. Es kommt dann zum Einsatz, wenn nicht genug Platz ist, um ein Fahrrad oder Moped zu überholen. Das kann in Baustellen oder verengten Straßen der Fall sein.
Ebenso sind solche Schilder häufig vor Schulen und Kindergärten oder bei touristisch stark genutzten Radwegen zu finden. An diesen Stellen sind häufig langsam fahrende Radfahrer unterwegs, die sich auch noch unberechenbar verhalten können, indem sie abrupt anhalten oder die Richtung ändern. Auch bei zu stark beschädigten Fahrbahnen, werden diese gesonderten Überholverbot-Schilder aufgestellt.
Gibt es kein Überholverbot für einspurige Fahrzeuge, ist das Überholen von Radfahrern dennoch nur erlaubt, wenn der gesetzlich vorgeschriebene Mindestabstand eingehalten werden kann. Das sind innerorts mindestens 1,5 Meter und außerhalb von Ortschaften sogar 2 Meter. Für LKWs gilt überall ein Seitenabstand von 2 Meter zum Fahrrad. Gerade in engen Straßen oder wenn parkende Autos den Platz zusätzlich einschränken, ist ein Überholen daher oft nicht möglich.
Die Mindestabstände wurden von der Bundesregierung eingeführt, um die Radfahrer mehr zu schützen. So werden sie weniger vom Luftsog der vorbeifahrenden Fahrzeuge erfasst und haben mehr Platz, um Schlaglöchern und sich plötzlich öffnenden Autotüren auszuweichen. Zusätzlich tangieren leichte Schwankbewegungen somit keine anderen Verkehrsteilnehmer mehr, die sonst versuchen würden, dem Radfahrer auszuweichen. Auch das Fahren bei Regen oder Glätte ist somit sicherer für die Radfahrer.
Die Mindestabstandsregel gilt immer, auch wenn auf der Fahrbahn ein markierter Schutzstreifen (gestrichelte Linie) oder ein Radfahrstreifen (durchgezogene Linie) vorhanden ist. Der Fahrradstreifen sorgt zwar für eine optische Trennung, ändert aber nichts an der Pflicht, den Mindestabstand einzuhalten.
Übersicht: Gesetzliche Überholabstände in Deutschland
| Überholender | Überholter | Innerorts | Außerorts | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Pkw / Motorrad | Fahrradfahrer | 1,5 m | 2,0 m | Gilt auch bei Schutzstreifen oder Radfahrstreifen auf der Fahrbahn. |
| Pkw / Motorrad | Fußgänger | 1,5 m | 2,0 m | Insbesondere bei Fußgängern am Fahrbahnrand oder auf der Fahrbahn. |
| Pkw / Motorrad | Pferde | 1,5 m | 2,0 m | Langsam überholen, um die Tiere nicht zu erschrecken. |
| Lkw / Bus | Fahrradfahrer | 2,0 m | 2,0 m | Gilt immer – unabhängig von Fahrbahnmarkierungen. |
| Lkw / Bus | Fußgänger | 2,0 m | 2,0 m | Besondere Vorsicht, da durch Größe und Luftdruck Gefahr besteht. |
| Alle Fahrzeuge | Kinder auf Fahrrädern | 2,0 m | 2,0 m | Kinder fahren oft unvorhersehbar – mehr Sicherheitsreserve einplanen. |
Wie hoch sind grundsätzlich die Strafen beim Verstoß gegen ein Überholverbot?
Wer ein Überholverbot missachtet, muss in jedem Fall mit einem Bußgeld und mindestens mit einem Punkt in Flensburg rechnen. Je nach Gefährdungsgrad oder ob daraus ein Unfall entsteht, können die Strafen auch höher ausfallen. Nachfolgend haben wir eine Übersicht über die Strafen bei Missachtung des Überholverbots erstellt:
| Verstoß | Bußgeld | Punkte in Flensburg | Fahrverbot | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|
| Einfaches Überholen trotz Überholverbot | 70 € | 1 Punkt | – | Ohne Gefährdung oder Sachbeschädigung |
| Überholen im Überholverbot mit Gefährdung | 85 € | 1 Punkt | – | Wenn andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden |
| Überholen im Überholverbot mit Sachbeschädigung | 105 € | 1 Punkt | – | Unfälle oder Schäden am Eigentum |
| Überholen trotz unklarer Verkehrslage | 100 € | 1 Punkt | – | Z. B. bei schlechter Sicht oder unübersichtlicher Strecke |
| Überholen im Überholverbot mit Gefährdung und Sachbeschädigung | 120 € | 1 Punkt | – | Kombination aus beiden Tatbeständen |
| Überholen im Überholverbot mit Gefährdung des Gegenverkehrs | 150 € | 1 Punkt | 1 Monat | Sehr hohes Risiko für Frontalunfälle |
| Überholen im Überholverbot bei Unfallfolge | 240 € | 2 Punkte | 1 Monat | Schwerwiegender Verstoß mit Personenschaden oder größerem Sachschaden |
Wann darf man im Überholverbot überholen?
Auch bei einem angeordneten Überholverbot gibt es jedoch Ausnahmen. Wenn das Verbot nur für bestimmte Fahrzeugarten gilt, beispielsweise einem LKW, darfst Du mit dem Auto andere Fahrzeuge überholen. Ebenso ist es zulässig, sehr langsam fahrende Fahrzeuge wie Mopeds oder landwirtschaftliche Maschinen zu überholen, wenn die Fahrbahn breit genug ist und keine Gefahr besteht. Solche Ausnahmen sollen verhindern, dass der Verkehr unnötig behindert wird.
Wo und wann darf man überholen – Sonderfälle
Obwohl die Situationen klar definiert sind, in denen Fahrzeuge nicht überholt werden können, kommt es doch an manchen Stellen zu Unsicherheiten, ob das Überholen erlaubt ist oder nicht. Dazu gehören, ob man innerorts überholen darf, wann man einen Bus an der Haltestelle überholen kann und in welchen Fällen es gestattet ist, eine Straßenbahn auch links zu überholen. Ebenso sind sich nicht immer alle im Klaren darüber, ob ein Überholen in Einbahnstraßen gestattet ist. Daher werden wir diese Fragen nachfolgend einmal kurz klären.
Darf man innerorts überholen?
Innerorts ist das Überholen grundsätzlich erlaubt, aber nur unter sehr klaren Voraussetzungen. Der verfügbare Platz muss ausreichen, damit weder Gegenverkehr noch Fußgänger oder Radfahrer gefährdet werden. Besonders wichtig ist, dass Du Dich innerorts an die Geschwindigkeitsbegrenzung hältst. Das gilt auch beim Überholen. In Wohngebieten, in denen oft parkende Autos am Straßenrand stehen, solltest Du wegen eingeschränkter Sichtverhältnisse auf Überholmanöver verzichten. Auf mehrspurigen Straßen innerhalb von Städten, wie etwa städtischen Ausfallstraßen, ist Überholen meist problemlos möglich, solange Du vorsichtig und vorausschauend fährst.
Wann darf man einen Bus an einer Haltestelle überholen und was ist dabei zu beachten?
Setzt der Bus vor Dir einen Blinker, um an die Haltestelle zu fahren, darfst Du ihn in dem Moment nicht überholen. Erst wenn er an der Haltestelle steht, kannst Du ihn überholen. Dabei gelten jedoch folgende Einschränkung:
- Steht der Bus ohne Warnblinker an der Haltestelle, kannst Du ihn langsam überholen, sofern ausreichend Platz ist und weder Gegenverkehr noch ein- und aussteigende Fahrgäste gefährdet sind.
- Sind die Warnblinker eingeschaltet, darfst Du den Bus maximal mit Schrittgeschwindigkeit überholen und musst jederzeit bremsbereit sein, da Personen vor oder hinter dem Bus auf die Straßen laufen könnten. Das gilt auch für den Gegenverkehr.
Setzt der Bus den Blinker, um von der Haltestelle wieder loszufahren, darfst Du ihn nicht mehr überholen. Busse haben beim Anfahren immer Vorrang.
In welchen Fällen darf man eine Straßenbahn oder Bus links überholen?
Du darfst eine Straßenbahn links überholen:
- Wenn die Schienen so liegen, dass Du rechts nicht vorbeikommst
- Wenn die Fahrbahn rechts blockiert ist
- Wenn es ein Einbahnstraßenverkehr ist, der links überholen erlaubt
Darf man in Einbahnstraßen überholen?
In Einbahnstraßen darfst Du grundsätzlich überholen, und das sogar auf beiden Seiten, allerdings nur, wenn es gefahrlos möglich ist und keine Überholverbot-Schilder aufgestellt sind. Da der Gegenverkehr in einer Einbahnstraße wegfällt, ist das Risiko geringer, dennoch musst Du auf Fußgänger, Radfahrer und ein- oder ausparkende Fahrzeuge achten. Wenn eine Einbahnstraße zusätzlich mehrere Fahrstreifen hat, ist das Überholen deutlich einfacher. Auf schmalen Einbahnstraßen gilt: lieber warten, bis genug Platz da ist, anstatt den Sicherheitsabstand zu riskieren.
Wie erfolgt der Überholvorgang richtig?
Beim Überholen gilt es ein paar Dinge zu beachten, um sich und andere nicht zu gefährden:
- Entfernung zum Gegenverkehr einschätzen und abwägen, ob der Platz zum Überholen reicht
- Rückspiegel und Schulterblick nutzen, um sicher zu gehen, dass kein anderes Fahrzeug von hinten bereits am Überholen ist
- Einen Gang runterschalten, um schneller zu beschleunigen
- Blinker setzen und rechtzeitig vor dem Hindernis ausscheren
- Genügend Abstand zum überholenden Fahrzeug halten
- Zügig überholen, ohne die erlaubte Höchstgeschwindigkeit stark zu überschreiten
- Frühzeitig wieder rechts einordnen ohne den Hintermann auszubremsen
- Gang wieder hochschalten und gegebenenfalls die Geschwindigkeit anpassen
Was ist über die Geschwindigkeit beim Überholvorgang vorgeschrieben?
Du musst deutlich schneller fahren als das überholte Fahrzeug. Mindestens 10 km/h Differenz sind empfohlen. Allerdings darfst Du die zulässige Höchstgeschwindigkeit dabei nicht überschreiten. Reduziert sich die Geschwindigkeitsvorgabe während des Überholens ist erst der Überholvorgang abzuschließen, bevor man die Geschwindigkeit den neuen Vorgaben anpasst. Auf keinen Fall sollte man neben dem zu überholenden Fahrzeug abbremsen, da sich hinter einem weitere Fahrzeuge bereits im Überholvorgang befinden könnten. Die anderen Fahrer rechnen nicht damit, dass man plötzlich langsamer wird und es kann zu Auffahrunfällen kommen.
Beim Überholen zählt nicht nur der Blick nach vorne. Du musst die gesamte Verkehrssituation im Blick haben, also auch, was hinter Dir passiert. Prüfe vor jedem Überholmanöver, ob die Strecke ausreichend lang und übersichtlich ist. Beachte, dass andere Verkehrsteilnehmer plötzliche Spurwechsel machen können, und rechne damit, dass Gegenverkehr auftaucht, der vorher noch nicht zu sehen war. Auch der richtige Abstand vor dem Einscheren ist entscheidend, um niemanden zu gefährden.
Was ist zu beachten, wenn man einen LKW mit Anhänger überholen möchte?
Das Überholen eines LKW mit Anhänger erfordert besonders viel Geduld und eine realistische Einschätzung der eigenen Fahrzeugleistung. Da diese Gespanne deutlich länger sind, brauchst Du mehr Zeit und Strecke, um den Überholvorgang sicher abzuschließen. Achte darauf, dass Du schon vor dem Ausscheren genug Abstand hältst, um nicht in den Sog des LKW zu geraten. Sei auch auf Seitenwind vorbereitet, der beim Vorbeifahren stärker spürbar sein kann. Schere erst wieder ein, wenn Du den LKW komplett im Rückspiegel siehst.
Das Überholen ist ein wichtiger Bestandteil des Straßenverkehrs, aber nur dann sicher, wenn die Regeln beachtet werden. Wo das Überholen verboten ist und wo erlaubt und was beim Überholvorgang zu beachten ist, hast Du jetzt wieder frisch im Kopf und bist nun bestens gewappnet. Wir wünschen dir eine gute und sichere Fahrt.
Bildquelle der Verkehrs- und Zusatzschilder: https://www.bussgeldkatalog.org/verkehrszeichen/