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Dooring – Eine unterschätzte Gefahr im Straßenverkehr

Dooring meint das unbedachte Öffnen einer Autotür am Straßenrand, wodurch andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden.
Wer viel in Städten unterwegs ist, hat vielleicht schon mal von dem Begriff Dooring gehört. Hierbei handelt es sich um das (meist unachtsame) Öffnen einer Autotür, die dabei in die Fahrbahn eines anderen Verkehrsteilnehmers gerät und eventuell Unfälle verursachen kann. Solche Dooring-Unfälle sind keine Seltenheit und sie verursachen nicht nur Blechschäden, sondern oft auch schwere Verletzungen. In diesem Beitrag erfährst Du, was Dooring genau ist, wie es passiert, welche Versicherung die Kosten übernimmt, was die Begriffe Dooring-Streifen und Dooring-Zone bedeuten und wie Du Dooring vermeiden kannst.
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Was ist Dooring und wie kommt es zu Dooring-Unfällen?

Jedes Mal, wenn ein Fahrzeug längs am Straßenrand parkt und die Insassen aussteigen wollen, kommt es zum Dooring, sofern die geöffnete Autotür in den darum herum fließenden Verkehr hineinragt. Das können vorbeifahrende Radfahrer, E-Scooter-Fahrer oder sogar ein anderes Auto sein. Sobald ein anderer Verkehrsteilnehmer von der Tür getroffen wird, handelt es sich um einen Dooring-Unfall. Dooring-Unfälle ereignen sich jedoch nicht nur auf der Fahrerseite, sondern auch auf der Beifahrerseite, beispielweise, wenn der Radweg rechts neben den geparkten Autos auf dem Bürgersteig vorbeigeht. 

Eine Dooring-Zone ist der Bereich, den die Autotür in den herumfließenden Verkehr hineinragt.

Im Zusammenhang mit dem Begriff Dooring fallen auch immer wieder die Begriffe Dooring-Streifen und Dooring-Zone. Die Dooring-Zone ist der Gefahrenbereich direkt neben parkenden Autos, also die Zone, in die eine plötzlich geöffnete Autotür ragen kann. Bei einem normalen Pkw beträgt dieser Bereich etwa 0,80–1,00 m. Bei größeren Fahrzeugen (SUV, Transporter) können es bis zu 1,20 m sein.

Allerdings ist ein Fahrradschutzstreifen (gestrichelte Linie zum fließenden Verkehr) in der Regel nur 1,50 m breit inkl. Markierung, in Sonderfällen auch nur 1,25 m. Ein Radfahrstreifen (durchgezogene Linien zum fließenden Verkehr) ist im Allgemeinen etwas breiter, mindestens 1,50 m und im Normalfall 1,85 – 2,00 m inkl. Markierung. Vor allen Dingen, wenn nur Schutzstreifen aus Platzgründen eingezeichnet sind, ist es für Radfahrer somit nahezu unmöglich, sicher auf dem Schutzstreifen zu fahren, ohne in die Dooring-Zone zu geraten.

Es gibt den Schutzstreifen für Radfahrer, der mit einer gestrichelten Linien zum fließenden Verkehr gekennzeichnet ist und einen Radfahrstreifen, wo die Linie durchgezogen ist.
Schutzstreifen und Radfahrstreifen
Das Forschungsinstitut "Empfehlung für Radverkehrsanlagen" rät zu einem Sicherheitsstreifen zwischen parkenden Autos und dem Radweg.
Sicherheitszone zwischen Radweg und parkenden Autos

Laut der Empfehlung für Radverkehrsanlagen (kurz ERA) sollten aus diesem Grund zwischen den parkenden Autos und dem Fahrradstreifen ein Sicherheitsabstand von mindestens 0,50 m eingezeichnet werden. Dieser Forderung wird jedoch nur selten entsprochen, da die meisten Straßen nicht breit genug für die Maßnahmen sind. Somit heißt es für alle weiterhin Obacht beim Aussteigen beziehungsweise am Vorbeifahren an parkenden Autos.

Wie häufig kommen Dooring-Unfälle vor und wer zahlt im Schadensfall?

Je nachdem, wie schnell die Tür geöffnet wird, beziehungsweise wie nah der andere Verkehrsteilnehmer an der Tür ist, reichen die Schäden von kleineren Bagatellschäden bis hin zu Knochenbrüchen und schweren Kopfverletzungen. Vor allen Dingen Radfahrer können größere Verletzungen davontragen, entweder durch den direkten Aufprall mit der Tür oder sie stürzen in ihrem Versuch, dem plötzlich auftretenden Hindernis auszuweichen.

Besonders in Großstädten, wo Radverkehr und parkende Autos dicht aufeinandertreffen, gehören Dooring-Unfälle zu den typischen Gefahrenquellen. Bei geringeren Vorfällen, ohne Personenschaden, werden Dooring-Unfälle selten gemeldet, daher gibt es keine genaue Angabe wie häufig solche Unfälle geschehen. Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) schätzt, dass ungefähr 7% aller Unfälle zwischen PKW und Radfahrer ein Dooring-Unfall sind.

Dooring-Unfälle treffen häufig Radfahrer

Das sind im Jahr 2024 deutschlandweit rund 3.100 gemeldet Unfälle allein mit Personenschaden. Die Tendenz ist steigend, da immer mehr Radfahrer auf öffentlichen Straßen unterwegs sind. Kommt es zu einem Dooring-Unfall, greift in der Regel die Kfz-Haftpflichtversicherung desjenigen, der die Tür geöffnet hat. Diese übernimmt die Schäden des Geschädigten, sowohl am Fahrzeug als auch an Gesundheit und Eigentum. Hat der Geschädigte eine Vollkasko, kann diese zunächst einspringen, holt sich die Kosten aber von der gegnerischen Versicherung zurück.

Wie kann man Dooring-Unfälle vermeiden?

Wer außerhalb der Dooring-Zone fahren möchte, muss sehr weit links auf dem Radstreifen oder auf der normalen Fahrbahn fahren.

Um einen Dooring-Unfall zu vermeiden, sollte man immer achtsam unterwegs sein. Als Radfahrer heißt das, immer auch die parkenden Autos im Blick behalten und stets mit einer sich öffnenden Tür rechnen. Ebenso den fließenden Verkehr für mögliche Ausweichmanöver beachten und weiter links fahren. Für die Insassen eines geparkten Autos, die ihr Fahrzeug verlassen wollen, gibt es folgende Regeln, die sie beachten sollten:

  • Der Holländische Griff
    Der holländische Griff ist eine einfache, aber sehr effektive Methode zum Aussteigen. Man öffnet die Autotür mit der entfernten Hand (Fahrer: rechte Hand, Beifahrer: linke Hand). So dreht man automatisch den Oberkörper, schaut über die Schulter und erkennt herannahende Radfahrer rechtzeitig.
  • Blick über die Schulter
    Bevor man die Tür öffnet, sollte man immer einen kurzen Schulterblick durchführen.
Um Dooring-Unfälle zu vermeiden, sollte man beim Aussteigen den Holländergriff und den Schulterblick nutzen.
  • Langsames Öffnen
    Man sollte die Tür zunächst nur einen Spalt öffnen, um sicherzugehen, dass niemand kommt.

Mit ein wenig mehr Rücksichtnahme und größerer Aufmerksamkeit im Straßenverkehr lassen sich Dooring-Unfälle somit einfach vermeiden. Das spart Ärger, Kosten und mögliche Schuldgefühle und sorgt für mehr Sicherheit auf den Straßen. In diesem Sinne wünschen wir eine gute Fahrt.

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