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Wie funktionieren Blitzer? Technik und Messverfahren einfach erklärt

Ausgelöster Blitzer einer Blitzersäule als Introbild in den Blogbeitrag: Wie funktionieren Blitzer
Der Begriff Blitzer wird umgangssprachlich als Überbegriff für die verschiedenen Geschwindigkeitsmessgeräte, unabhängig der verwendeten Messtechnik, genutzt. Sie alle haben das Ziel, Geschwindigkeitsübertretungen zu erfassen und einem bestimmten Fahrzeug zuzuordnen. In diesem Ratgeber erfährst Du wie Geschwindigkeitsmessungen in Deutschland funktionieren und welche Besonderheiten bei Messfoto, Toleranz und verschiedenen Messverfahren eine Rolle spielen.
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Kurz erklärt: Blitzer messen die Geschwindigkeit je nach Gerät über Radarwellen, Laserimpulse oder Weg-Zeit-Verfahren. Stationäre, mobile und semistationäre Anlagen beschreiben dabei die Einsatzform, nicht jedoch das Messprinzip. Eine allgemeine Auslöseschwelle von 3 km/h gibt es nicht. Der Toleranzabzug ist davon unabhängig. Moderne Systeme speichern Messwert und Bild häufig digital in einer Falldatei.

Hinweis: Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen zum deutschen Verkehrs- und Bußgeldrecht und ersetzt keine rechtliche Beratung im Einzelfall. Quellenprüfung erfolgte auf Basis von PTB, Gesetze-im-Internet, Herstellerseiten und Rechtsprechung. Rechtsstand: 15. September 2026.

Welche Arten von Blitzern gibt es?

Grundsätzlich lassen sich Blitzer nach ihrer Einsatzform in stationäre, semistationäre und mobile Anlagen einteilen. Stationäre Blitzer sind dauerhaft an einem festen Standort installiert. Semistationäre Systeme, etwa Messanhänger, können über längere Zeit an wechselnden Stellen eingesetzt werden. Mobile Blitzer werden dagegen flexibel aufgebaut oder direkt von Polizeibeamten eingesetzt, zum Beispiel als Laserhandmessgerät. Wichtig ist: Die Art des Blitzers beschreibt zunächst nur, wie und wo das Gerät eingesetzt wird – nicht, welches Messverfahren dahintersteckt. Sowohl stationäre als auch mobile Anlagen können beispielsweise mit Radar-, Laser- oder Weg-Zeit-Technik arbeiten.

Verkehrsüberwachungsanlage mit Kameras auf einer Autobahn als Beispiel einer stationären Geschwindigkeitsmessanlage
Stationäre Messanlage über der Straße fest installiert (© 4FR via Canva.com)
Messanhänger als Beispiel einer semistationären Geschwindigkeitsmessanlage
Messanhänger als Beispiel einer semistationären Messanlage (© Darkdiamond67 via Canva.com)
Mobiles Geschwindigkeitsmessgerät aufgestellt an einer Straße
Mobiles Geschwindigkeitsmessgerät am Straßenrand aufgestellt (© Joegend via Canva.com)

Welche Messverfahren gibt es?

Je nach System kommen Radarwellen, Laserimpulse und/oder Sensoren neben oder in der Fahrbahn zum Einsatz, die erfassen, wieviel Zeit für eine bestimmte Fahrstrecke benötigt wird. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt, kurz PTB, unterscheidet in folgende Messgeräte:

  • Verkehrsradargeräte
  • Laserhandmessgeräte
  • Laserscanner
  • Weg-Zet-Messgeräte
  • Abschnittskontrollen beziehungsweise Section Control
  • Videonachfahrsysteme

Jedes arbeitet technisch etwas anders. Daher unterscheiden sie sich sowohl im Auslösezeitpunkt als auch in der Speicherung der Daten.

Wie funktioniert ein Radarblitzer?

Ein Verkehrsradargerät sendet elektromagnetische Wellen aus. Treffen diese auf ein Fahrzeug, werden sie reflektiert. Weil sich das Fahrzeug bewegt, verändert sich die Frequenz der reflektierten Welle. Das nennt man Dopplereffekt.

Fährt das Fahrzeug auf das Gerät zu, verändert sich die reflektierte Frequenz in die eine Richtung. Entfernt sich das Fahrzeug, verändert sie sich in die andere Richtung. Aus dieser Frequenzänderung berechnet das Radargerät die Geschwindigkeit.

Moderne Verkehrsradargeräte können laut PTB neben der Geschwindigkeit gleichzeitig auch die Entfernung zum Fahrzeug erfassen.

Illustration zur Darstellung des Dopplereffekts als Methode einer Geschwindigkeitsmessung im Straßenverkehr
Dopplereffekt grafisch dargestellt. (KI-unterstützt erstellt)

Vorteile:

  • automatische Messung möglich
  • Fahrzeuge können im fließenden Verkehr gemessen werden
  • stationärer und mobiler Einsatz möglich

Wie funktioniert ein Laserhandmessgerät?

Bei einer Laserhandmessung visiert eine Polizeibeamtin oder ein Polizeibeamter ein bestimmtes Fahrzeug an. Das Messgerät sendet mehrere Laserimpulse aus und misst die Entfernung zum Fahrzeug. Aus der Veränderung dieser Entfernung innerhalb einer kurzen Zeitspanne wird die Geschwindigkeit errechnet.

Das Geschwindigkeitsmessverfahren selbst kann sehr genau sein. Der wesentliche Unterschied zu automatischen Laserscannern besteht darin, dass beim Handlaser die Zuordnung zum anvisierten Fahrzeug stärker vom Bediener abhängt.

Ein wichtiger Unterschied zum klassischen stationären Blitzer: Bei bestimmten Laserhandmessungen gibt es nicht zwingend ein klassisches Blitzerfoto. Das Fahrzeug kann nach der Messung unmittelbar angehalten werden.

Handlasermessgerät aufgebaut auf einer Mittelinsel zwischen den Fahrtrichtungen, das von einer Polizistin bedient wird
Laserhandmessgerät hinter einem Van aufgebaut (© Maxian via Canva.com)

Wie funktioniert ein Laserscanner beziehungsweise LiDAR-Blitzer?

Ein Laserscanner funktioniert automatisiert. Das Gerät scannt einen größeren Bereich der Fahrbahn kontinuierlich mit Laserimpulsen ab. Dabei können Bewegungen mehrerer Fahrzeuge verfolgt werden.

Aus den gemessenen Koordinaten entstehen im System virtuelle Fahrzeugobjekte. Ihre Positionsänderung wird verfolgt und daraus die Geschwindigkeit berechnet. Dadurch können moderne Systeme auch mehrere Fahrstreifen überwachen und Messwerte einzelnen Fahrzeugen zuordnen.

Moderne Blitzersäule als Beispiel für Lidar-Blitzer. Durch Laserimpulse werden die Geschwindigkeiten verschiedener Fahrzeuge gleichzeitig gemessen.
Blitzersäule als Beispiel eines Laserscanners (© ollo via Canva.com)

Wie funktioniert eine Section Control bzw. eine Weg-Zeit-Messung?

Bei einer Abschnittskontrolle wird nicht nur die Geschwindigkeit an einem einzelnen Punkt betrachtet. Das Fahrzeug wird am Anfang und Ende eines festgelegten Streckenabschnitts erfasst. Aus Streckenlänge, Einfahrtszeit und Ausfahrtszeit wird die Durchschnittsgeschwindigkeit berechnet.

Sensoren erkennen dabei, wie lange ein Fahrzeug benötigt, um diese Strecke zurückzulegen. Daraus ergibt sich: Geschwindigkeit = Weg ÷ Zeit. 

Als Sensoren können beispielsweise Induktionsschleifen, Helligkeitssensoren oder andere technische Systeme zum Einsatz kommen.

Bei einer Abschnittskontrolle messen Kameras über der Straße, wie lange vorbeifahrenden Fahrzeuge benötigen, um einen bestimmten Abschnitt zu durchfahren.
Section Control auf Autobahnen erfasst mehrere Fahrzeuge gleichzeitig (© Jae Young via Canva.com)

Wie funktioniert ein Videonachfahrsystem?

Bei dem Videonachfahrsystem fährt das Polizeifahrzeug dem betreffenden Fahrzeug hinterher und bestimmt dessen Geschwindigkeit über Weg und Zeit. Typische Systeme wie ProViDa 2000 Modular sind fest in Polizeifahrzeuge eingebaut. Um die Messung zu starten, passt der Polizeibeamte die Geschwindigkeit auf das vorausfahrende Fahrzeug an.

Ab diesem Moment misst das System gleichzeitig:

  • die vom Polizeifahrzeug zurückgelegte Wegstrecke durch einen Wegimpulsgeber
  • die dafür benötigte Zeit
  • daraus die Durchschnittsgeschwindigkeit
Zu sehen ist ein Bilderschirm eines Überwachungsfahrzeugs, in dem die ProVida 2000 Modular Technik eingebaut ist. Das dient zur Ansicht eines Videonachfahrsystems
Quelle: https://forsema.de/ProVida/ProVida_Technik.html

Das Videonachfahrsystem misst somit in erster Linie die Eigengeschwindigkeit des Polizeifahrzeugs. Damit diese Geschwindigkeit dem vorausfahrenden Fahrzeug als Mindestgeschwindigkeit zugerechnet werden kann, darf das Polizeifahrzeug während der Messung nicht auf das vorausfahrende Fahrzeug aufholen. Die PTB beschreibt das ausdrücklich: Am Ende des Messvorgangs darf der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug nicht kleiner geworden sein.

Die Verkehrssituation wird gleichzeitig mit einer Kamera aufgenommen. In das Video werden typischerweise Messwerte wie Wegstrecke, Zeit und Geschwindigkeit sowie weitere Angaben wie Datum und Uhrzeit eingeblendet. Üblicherweise wird die Aufzeichnung mit mehreren Messungen über einen längeren Zeitraum durchgeführt. Je länger die Messstrecke und je gleichmäßiger die Nachfahrt, desto weniger Einfluss haben kurzfristige Schwankungen.

Stationäre Blitzer: Was ist der Unterschied zwischen alten und neuen Anlagen?

Bei stationären Anlagen hat sich die Technik in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verändert. Doch nicht jeder graue Kasten enthält alte Technik und nicht jede Säule moderne. Das äußere Gehäuse sagt nicht zwingend aus, welches Messverfahren darin eingesetzt wird. Allerdings kann man zwischen alter und neuer Technik unterscheiden.

  1. Klassische Blitzeranlagen

    Ältere Generationen stationärer Geschwindigkeitsmessanlagen kombinieren Radar- oder Fahrbahnsensoren mit analoger Fototechnik. Ausgelöst wird mit sichtbarem Blitz. Bei solchen Anlagen werden Aufnahmen auf Negativ- oder Umkehrfilm dokumentiert. Da ist auch ihr größtes Manko. Der Film muss, sobald er voll ist, ausgetauscht und entwickelt werden, um an die Bilder zu kommen. Damit dauern die Auswertung und das Einleiten der Bußgeldverfahren deutlich länger.

  2. Moderne Blitzeranlagen

    Neuere Messanlagen nutzen digitales Radar, Laserscanner beziehungsweise Lidar und Induktionsschleifen. Häufig sind weitere Weg-Zeit-Systeme integriert und können kombinierte Rotlicht- und Geschwindigkeitsmessungen vorgenommen werden.
    Die meisten modernen Anlagen sind in der Lage:

    • mehrere Fahrspuren gleichzeitig zu überwachen
    • mehrere Fahrzeuge parallel zu verfolgen
    • Fahrzeuge softwaregestützt voneinander zu unterscheiden
    • Digitale Bilddokumente zu erstellen
    • Messwerte und Bild in einer Falldatei zusammenzuführen
klassischer Blitzer in Deutschland auch gerne als "grauer Kasten" bezeichnet.
Grauer Blitzerkasten als Beispiel für eine klassische Blitzeranlage (© contrast-fotodesign via Canva.com)
Blitzersäule als Beispiel einer modernen Blitzeranlage
Blitzersäule als Beispiel für eine moderne Blitzeranlage (© igmarx via Canva.com)

Bei aktuellen Systemen kann außerdem Front- und Heckdokumentation technisch möglich sein. Ein aktuelles POLISCAN-System des Herstellers Vitronic kann beispielsweise mehrere Fahrzeuge auf bis zu vier Fahrspuren erfassen und je nach Konfiguration Front- oder Heckmessungen durchführen. Dabei kommen hochauflösende Digitalkameras zum Einsatz. Optional kann bei entsprechend ausgestatteten Systemen die Bildaufnahme mit Infrarotbeleuchtung erfolgen, sodass für den Fahrer kein klassischer sichtbarer Fotoblitz wahrnehmbar sein muss.

Welcher Blitzer misst am genauesten?

Einen pauschal genauesten Blitzer gibt es nicht. Für die zugelassenen amtlichen Messverfahren gelten vergleichbare Anforderungen an die Messrichtigkeit. Die größeren Unterschiede liegen im Messprinzip, in der Fahrzeugzuordnung und in der Dokumentation.

VerfahrenMessprinzipPunkt-/ DurchschnittsmessungFahrzeugzuordnungDokumentation
RadarDopplereffektPunktautomatischFoto/Falldatei
LaserhandgerätEntfernungsänderungPunktBedienerje nach Gerät
LiDARLaser-ObjektverfolgungPunktautomatischdigitale Falldatei
Weg-ZeitWeg ÷ ZeitPunkt/MessbasisSensorikdigital
Section ControlWeg ÷ ZeitDurchschnittSystemdigital
VideonachfahrtWeg ÷ ZeitDurchschnittPolizeibeamte/VideoVideo

Wann löst ein Blitzer aus?

Es gibt keine allgemeingültige Geschwindigkeit, ab der jeder Blitzer auslöst. Der sogenannte Bildauslösegrenzwert wird für jede Anlage individuell festgelegt. Er ist abhängig von Standort und Messgerät und weiteren Einflussfaktoren. Nicht zu verwechseln ist die Auslöseschwelle mit dem Toleranzabzug. Dieser wird erst bei der Bewertung des gemessenen Geschwindigkeitswerts berücksichtigt.

Beim Toleranzabzug wird eine Verkehrsfehlergrenze abgezogen. Die PTB gibt für Geschwindigkeitsüberwachungsgeräte häufig Verkehrsfehlergrenzen von 3 km/h bei Messwerten bis 100 km/h und 3 Prozent bei Messwerten über 100 km/h an.

Allerdings unterscheiden sich die Fehlergrenzen bei den verschiedenen Messgeräten. Bei einer Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren mit einem Polizeifahrzeug können beispielsweise deutlich größere Toleranzen erforderlich sein. Die Rechtsprechung berücksichtigt dabei unter anderem Tachometerabweichungen, Abstandsveränderungen und das konkrete Messverfahren.

Ein Beispiel macht den Unterschied deutlich:

Angenommen, erlaubt sind 50 km/h und die Anlage ist so eingestellt, dass sie ab einem Messwert von 56 km/h dokumentiert.

Dann gilt: 56 km/h gemessen → Blitzer löst aus

Anschließend wird bei einem entsprechenden Messverfahren die Toleranz berücksichtigt: 56 km/h − 3 km/h = 53 km/h vorwerfbar

Damit wären nach dem Toleranzabzug noch 3 km/h Überschreitung übrig.

Auf der Straße ist das Tempolimit Verkehrszeichen für 50 km/h aufgemalt
Tempolimit 50 auf der Straße aufgedruckt (© CasPhotography via Canva.com)

Wichtig ist: Die Auslöseschwelle muss nicht automatisch genau 3 km/h über dem Tempolimit liegen. Sie wird vom Betreiber beziehungsweise im Messbetrieb festgelegt und kann so gewählt werden, dass erst ab einer bestimmten relevanten Überschreitung dokumentiert wird. Die PTB-Anforderungen sehen ausdrücklich vor, dass der Bildauslösegrenzwert als eigener Geräteparameter dokumentiert werden kann.

Kann ein Blitzer von hinten blitzen und wann ist es sinnvoll?

Geschwindigkeitsmessungen können grundsätzlich so eingerichtet sein, dass Fahrzeuge beim Annähern, beim Entfernen oder, abhängig von Gerät und Aufbau, in unterschiedlichen Fahrtrichtungen erfasst werden. Gerade für Motorräder ist die Aufnahme von hinten besonders relevant.

Anders als bei einem Pkw befindet sich bei einem Kraftrad in Deutschland grundsätzlich nur hinten ein Kennzeichen. § 12 FZV sieht für Krafträder die Kennzeichenanbringung an der Rückseite vor. Ein ausschließliches Frontfoto eines Motorrads zeigt deshalb normalerweise kein amtliches Kennzeichen.

Abgesehen bei Motorrädern kann eine Messung beziehungsweise Dokumentation von hinten bei weiteren Situationen ebenfalls sinnvoll sein:

  • zur Erfassung des hinteren Kennzeichens
  • wenn die verwendete Anlage für abfließenden Verkehr ausgelegt ist
  • wenn ein System Vorder- und Rückansicht dokumentiert
  • wenn die konkrete Messstellenkonfiguration dies vorsieht
Zu sehen ist ein Motorradfahrer auf seinem Motorrad aus der Perspektive eines schräg dahinter fahrenden Motorrads, die eine Straße entlang fahren. Beim vorderen Motorrad ist hinten das Kennzeichen angebracht.
Motorrad hat nur hinten ein Kennzeichen (© jakubgojda via Canva.com)

Ob tatsächlich von vorne, hinten oder in beiden Richtungen dokumentiert wird, hängt vom verwendeten Gerät, seiner Zulassung, der Installation und der konkreten Messstelle ab. Nicht jeder Blitzer kann jedoch automatisch jede Fahrtrichtung überwachen.

Tacho, GPS und Blitzer: Warum unterscheiden sich die Geschwindigkeiten?

Tacho, GPS und Blitzer messen beziehungsweise bestimmen Geschwindigkeit auf unterschiedliche Weise. Deshalb können alle drei unterschiedliche Werte anzeigen. Ein GPS-Wert oder eine Tachobeobachtung widerlegt deshalb für sich allein noch keine amtliche Geschwindigkeitsmessung.

Kurz gesagt: Der Tacho berechnet die Geschwindigkeit aus Fahrzeugdaten und zeigt häufig etwas mehr an. GPS bestimmt die Geschwindigkeit anhand der Bewegung zwischen Satellitenpositionen und kann bei guten Bedingungen sehr genau sein. Ein amtliches Geschwindigkeitsmessgerät verwendet dagegen ein zugelassenes Messverfahren und dient als Grundlage für die behördliche Bewertung eines Verkehrsverstoßes.

MerkmalTachoGPS / GNSSBlitzer / amtliches Messgerät
Wie wird gemessen?Über Raddrehzahl und Reifenumfang bzw. FahrzeugdatenÜber Satellitensignale und Positionsänderung über die ZeitJe nach System z.B. Radar, Laser, LiDAR oder Weg-Zeit-Messung
Was wird angezeigt?Fahrzeuggeschwindigkeitberechnete Bewegungsgeschwindigkeitamtlich gemessene Geschwindigkeit
Messung direkt oder indirekt?indirekt berechnetindirekt aus Positionsdaten berechnetje nach Verfahren direkt aus Bewegung, Entfernung oder Weg-Zeit-Verhältnis ermittelt
Typische Genauigkeiteher konservativ, zeigt häufig etwas mehr anbei guter Sicht zum Himmel oft sehr nah an der tatsächlichen Geschwindigkeitfür Verkehrsüberwachung zugelassen und innerhalb definierter Fehlergrenzen
Kann der Wert zu hoch sein?ja, das ist konstruktiv möglich und üblichja, z.B. bei schlechtem Empfang oder verzögerter Aktualisierunginnerhalb der zulässigen Messabweichung möglich
Kann der Wert zu niedrig sein?die Anzeige darf die tatsächliche Geschwindigkeit grundsätzlich nicht unterschreitenja, kurzfristig möglichinnerhalb der zulässigen Messabweichung möglich
Was beeinflusst den Wert?Reifengröße, Reifenverschleiß, Reifendruck, FahrzeugtechnikSatellitenempfang, Tunnel, Häuserschluchten, Kurven, schnelle BeschleunigungMessverfahren, Gerätekonfiguration, Messsituation und korrekte Anwendung
Reaktionsgeschwindigkeitsehr schnellkann leicht verzögert reagierenabhängig vom Messverfahren
Eignet sich zur Beweissicherung?neinneinja, bei ordnungsgemäßer amtlicher Messung
Typischer ZweckInformation für den FahrerNavigation und GeschwindigkeitsanzeigeVerkehrsüberwachung und Beweisdokumentation

Warum zeigt der Tacho oft mehr an?

Der Tacho misst die Geschwindigkeit nicht direkt wie ein Radar- oder Lasermessgerät, sondern berechnet sie aus der Fahrzeugbewegung meist über die Drehzahl der Räder. Deshalb können Reifengröße, Reifenverschleiß und Reifendruck die Anzeige geringfügig beeinflussen. Ein Fahrzeugtachometer darf die tatsächliche Geschwindigkeit nicht unterschreiten.

Für die Typgenehmigung sieht die entsprechende UN-Regelung vor, dass die angezeigte Geschwindigkeit nicht niedriger sein darf als die tatsächliche Fahrzeuggeschwindigkeit. Zulässig ist dagegen eine gewisse positive Abweichung. Die dort festgelegte Beziehung erlaubt grundsätzlich eine Anzeige über der tatsächlichen Geschwindigkeit von bis zu zehn Prozent der tatsächlichen Geschwindigkeit plus 4 km/h.

Tacho eines Autos in dem die Tachonadel zwischen 110 und 130 km/h schwankt als Darstellung der Tachoungenauigkeit.
Tachoungenauigkeit steigt je höher die Geschwindigkeit ist (© hiphotos35 via Canva.com)

Wie bestimmt GPS die Geschwindigkeit?

GPS gehört zu den globalen Navigationssatellitensystemen, genauer gesagt zu GNSS. Dabei wird die Position mithilfe von Satellitensignalen bestimmt. Aus den Positions- und Zeitinformationen kann ein Gerät auch Bewegungen beziehungsweise Geschwindigkeit ableiten. Bei gleichmäßiger Fahrt und gutem Satellitenempfang kann eine GPS-Geschwindigkeitsanzeige sehr nah an der tatsächlichen Geschwindigkeit liegen.

Das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie erklärt, dass GNSS-Empfänger ihre Position aus Signallaufzeiten mehrerer Satelliten bestimmen. Faktoren wie Atmosphäre, Empfangssituation und die Qualität der empfangenen Satellitensignale können das Ergebnis beeinflussen.

Zu sehen ist das angeschaltete Navidisplay bei der Fahrt in einem Auto als Beispiel, welches Gerät die Geschwindigkeit per GPS misst.
Navi misst per GPS die Geschwindigkeit (© Imágenes de unaihuizi via Canva.com)

Probleme können unter anderem auftreten bei:

  • Tunneln
  • Häuserschluchten
  • dichtem Baumbestand
  • schlechtem Satellitenempfang
  • schnellen Geschwindigkeitsänderungen
  • engen Kurven
  • verzögerter Aktualisierung der Anzeige

Wie werden Blitzerfotos gespeichert?

Während bei den klassischen Anlagen auf analoge Fototechnik gesetzt wird, sprich Filme, die anschließend entwickelt werden müssen, werden in modernen Systemen digitale Dateien gespeichert. Diese digitalen Falldateien enthalten Informationen zu:

  • Messwert
  • Messfoto oder mehrere Fotos
  • Datum und Uhrzeit
  • gerätespezifische Daten
  • Angaben zur Messsituation
Stilisierte Hängemappe mit mehreren Dokumenten, die vor einem Hintergrund aus Einsen und Nullen aufrecht steht, als grafische Visualisierung einer digitalen Falldatei.
grafische Darstellung einer Falldatei (© Dibas via Canva.com)

Bei aktuellen PTB-Anforderungen wird die Falldatei ausdrücklich als digital signierte Zusammenstellung von Messdaten und Bilddokument definiert. Die digitale Signatur hat den wichtigen Zweck, die Integrität und Authentizität der Messdatei zu überprüfen. Die digitale Signatur ermöglicht die Prüfung, ob die Falldatei aus der vorgesehenen Quelle stammt und ob sie nach ihrer Erstellung verändert wurde.

Die PTB verlangt bei entsprechenden Systemen kryptografische Sicherungen. Bei Laserscannern kann dafür ein individueller privater Schlüssel des jeweiligen Geräts verwendet werden. Dadurch wird die signierte Falldatei ein relevantes Beweismittel, das bei Bedarf erneut ausgewertet werden kann.

Werden Blitzerfotos automatisch digital an die Bußgeldstelle gesendet?

Digitale Blitzerfotos werden nicht automatisch immer an eine Bußgeldstelle gesendet. Je nach Messsystem können digitale Falldaten zunächst in der Dokumentationseinheit gespeichert werden. Von dort können die Falldateien direkt aus der Dokumentationseinheit entnommen, über einen Datenträger an eine Auswertungsstelle gebracht oder über eine Datenfernübertragung an eine zentrale Stelle übertragen beziehungsweise von dort abgerufen werden.

Welche Schritte automatisch erfolgen und wie schnell die Daten übertragen werden, hängt vom konkreten Gerät und der Infrastruktur des Betreibers ab. Somit kann eine Falldatei unterschiedlich lange auf dem Messgerät gespeichert sein. Das äußere Erscheinungsbild einer Anlage lässt nicht erkennen:

  • wo die Aufnahme gerade gespeichert ist
  • ob sie bereits übertragen wurde
  • ob weitere Kopien existieren
  • wann die Auswertung erfolgt

Was passiert mit gespeicherten Messdaten, wenn ein Blitzer beschädigt wird?

Bereits gespeicherte oder übertragene Falldaten verschwinden nicht zwangsläufig im Falle einer Beschädigung der Anlage. Wie eine konkrete Anlage ihre Daten technisch speichert oder wann sie diese überträgt, lässt sich von außen nicht zuverlässig feststellen.

Von einer Manipulation oder Beschädigung ist darüber hinaus schon aus strafrechtlichen Gründen dringend abzuraten. Wer eine fremde Sache vorsätzlich beschädigt oder zerstört, kann sich nach § 303 StGB wegen Sachbeschädigung strafbar machen. Der Versuch ist ebenfalls strafbar. Bei Geschwindigkeitsmessanlagen kann zusätzlich eine erheblich schwerer wiegende Strafbarkeit nach § 316b StGB – Störung öffentlicher Betriebe in Betracht kommen.

Der Bundesgerichtshof hat ausdrücklich entschieden, dass eine stationäre Geschwindigkeitsmessanlage eine der öffentlichen Sicherheit dienende Anlage sein kann. Im dort entschiedenen Fall führte die Zerstörung von Teilen einer solchen Anlage zu einer Strafbarkeit nach § 316b StGB. § 316b StGB sieht grundsätzlich eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe vor; auch der Versuch ist strafbar.

Auch neuere Rechtsprechung behandelt Geschwindigkeitsmessanlagen entsprechend. Das Landgericht Paderborn sah beispielsweise bereits im Unbrauchbarmachen einer mobilen Messanlage eine Störung einer der öffentlichen Sicherheit dienenden Anlage.

Kurz gesagt: Die Beschädigung eines Blitzers ist weder ein verlässlicher Weg, eine bereits erfolgte Messung zu beseitigen, noch rechtlich eine sinnvolle Reaktion. Neben dem ursprünglichen Verkehrsverstoß können dadurch eigenständige und erheblich schwerwiegendere strafrechtliche Konsequenzen entstehen.

Fazit: Verschiedene Messgeräte – vergleichbare Ergebnisse

Egal ob die Geschwindigkeitsmessanlage mobil oder stationär, klassisch oder modern, analog oder digital ist, die Geräte liefern vergleichbare Messergebnisse. Die verschiedenen Messverfahren müssen die für sie geltenden messtechnischen Anforderungen erfüllen. Moderne Systeme sind nicht „genauer“, nur weil sie digital arbeiten. Ihre wesentlichen Vorteile liegen häufig in der automatisierten Fahrzeugzuordnung, Dokumentation, Verarbeitung und Übertragung der Messdaten. Zudem können sie besser als Beweismittel in Bußgeldverfahren verwendet werden.

Ebenso kannst Du Dich nicht darauf verlassen, dass Du immer 3 km schneller fahren darfst, ohne geblitzt zu werden. Einige Anlagen senden keinen sichtbaren Blitz mehr aus, wenn sie ausgelöst haben. Somit kann trotzdem ein Bescheid bei Dir in den Briefkasten flattern. Bis wann Du mit einem Bußgeldbescheid rechnen kannst, welche Irrtümer zu Blitzern kursieren, was auf einem Blitzerfoto zu erkennen sein muss und wann es unzulässig ist, erfährst Du in der kommenden Ausgabe.

Quellen

Für diesen Beitrag wurden überwiegend amtliche und gerichtliche Primärquellen verwendet:

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