Was kann auf nasser Fahrbahn zu Aquaplaning führen und wo tritt besonders häufig Aquaplaning auf?
Aquaplaning, auch Wasserglätte genannt, entsteht, wenn sich zwischen den Reifen und der Fahrbahn ein Wasserfilm bildet, den die Reifen nicht mehr verdrängen können. Das hat zur Folge, dass das Auto den Kontakt zur Straße verliert und auf dem Wasser „schwimmt“. In diesem Moment hat man keine Kontrolle über Lenkung, Bremsen oder Beschleunigung. Je mehr Wasser auf der Fahrbahn liegt, desto höher ist das Risiko. Besonders in Fahrbahnsenken, Spurrillen und in Unterführungen sammelt sich schnell Wasser.
Zudem begünstigen abgenutzte Reifen, also Reifen mit wenig Profil, und hohe Geschwindigkeiten den Effekt des Aquaplaning. Mit wenig Profil kann das Wasser schlechter abgeleitet werden und je schneller man fährt, desto eher bilden sich Wasserkeile unter den Reifen. Auch Kurven bergen ein höheres Risiko für Wasserglätte, da durch seitlich abfließendes Wasser rutschige Flächen entstehen.
Kann man Aquaplaning vermeiden?
Aquaplaning lässt sich zwar nie zu 100 % vermeiden, aber Du kannst das Risiko deutlich reduzieren, wenn Du ein paar Regeln beachtest. Hier die wichtigsten Tipps:
Tipp 1: Geschwindigkeit anpassen: Die wohl wichtigste Maßnahme lautet: langsamer fahren. Je höher die Geschwindigkeit, desto schneller „schwimmen“ die Reifen auf. Auf Autobahnen gilt daher, bei Starkregen lieber deutlich unter 100 km/h bleiben, auch wenn kein Tempolimit ausgeschildert ist.
Tipp 2: Reifen in Schuss halten: Die Profiltiefe der Reifen sollte immer wieder geprüft werden. Gesetzlich sind 1,6 mm vorgeschrieben, aber Fachleute empfehlen mindestens 3–4 mm. Ebenso sollte man den Reifendruck regelmäßig kontrollieren, da zu niedriger Druck das Aquaplaning-Risiko erhöht.
Tipp 3: Abstand halten: Wenn man ausreichend Abstand zum Vordermann hält, hat man mehr Zeit zum Reagieren und weniger Spritzwasser vor der Frontscheibe.
Tipp 4: Fahrweise anpassen: Auf nassen Fahrbahnen sollten abrupte Lenk- oder Bremsmanöver vermieden werden. Zudem sollte man immer vorausschauend fahren und Wasseransammlungen meiden, wo es geht. In Spurrillen am besten nicht überholen.
Falls das Auto ESP (Elektronisches Stabilitätsprogramm) oder ABS hat, helfen diese Systeme im Ernstfall, das Auto stabil zu halten. Trotzdem ersetzt die Technik keine angepasste Fahrweise.
Wie kann das Profil der Reifen mitentscheiden, wie stark das Aquaplaning ist?
Das Profil der Reifen spielt eine entscheidende Rolle dafür, wie schnell und stark Wasserglätte auftritt und ob man noch Kontrolle über das Fahrzeug behält. Dabei ist nicht nur relevant, ob noch genug Profil auf den Reifen ist, sondern auch welche Form das Reifenprofil hat. Die Wasserverdrängung hängt stark von der Gestaltung des Reifenprofils ab, also wie die Rillen und Kanäle angeordnet sind. Hier ein Überblick:
- Breite Längsrille: Sie ziehen sich parallel zur Fahrtrichtung über den Reifen und leiten große Mengen Wasser schnell nach hinten und zur Seite ab. Ihr Vorteil ist, dass sie sehr effektiv bei Aquaplaning auf gerader Strecke (z.B. Autobahn) sind. Dieses Profil wird gerne bei Sommerreifen verwendet. Die meisten haben 3–4 breite Längsrillen.
- Querrillen und Lamellen: Sie schneiden das Wasser zusätzlich seitlich ab und verteilen es über die gesamte Reifenfläche. Dadurch haben die Reifen mehr Griffigkeit in Kurven und bei Spurwechseln. Moderne Reifen kombinieren gerne Längsrillen mit Querlamellen.
- V-förmiges / pfeilförmiges Profil (Directional Pattern): Das Wasser wird wie durch einen Trichter nach außen weggedrückt. Sie haben damit eine besonders hohe Wasserverdrängung bei starkem Regen. Dieses Profil ist häufig bei sportlicheren Sommer- und Ganzjahresreifen zu finden.
- Asymmetrisches Profil: Die Innenseite des Reifens hat viele Rillen für die Wasserableitung. Die Außenseite hat dagegen größere Blöcke für die Kurvenstabilität. Somit ist das Profil ein Kompromiss aus Sicherheit bei Nässe und trockener Performance. Hochwertige Premiumreifen greifen auf diese Profilform zurück.
Somit bietet ein tiefes Profil mit breiten Längsrillen und V-förmiger Struktur die beste Wasserverdrängung und schützt am effektivsten vor Aquaplaning.
Wie verhält man sich richtig bei Aquaplaning und was kann Aquaplaning zur Folge haben?
Kommt es trotz der Vorkehrungen zu Wasserglätte, erkennst Du das an folgenden Anzeichen:
- Das Lenkrad fühlt sich plötzlich leicht an.
- Das Auto reagiert nicht mehr auf Lenkbewegungen.
- Du hörst ein ungewöhnliches „Aufschwimmen-Geräusch“.
- Wasserfontänen spritzen stark seitlich weg.
Dann gibt es ein paar Verhaltensregeln, um weiterhin die Kontrolle über das Fahrzeug zu behalten. Die wichtigste Regel ist natürlich, die Ruhe zu bewahren. Panik bringt keinen weiter, also tief durchatmen und konzentriert weiterfahren. Zusätzlich kannst Du folgendes tun:
- Fuß vom Gas nehmen und keine Bremsmanöver starten.
- Kupplung treten (bei Schaltgetriebe), um das Fahrzeug zu entlasten.
- Lenkrad ruhig und gerade halten, nicht hektisch gegenlenken.
- Abwarten, bis die Reifen wieder Bodenkontakt bekommen.
Da Aquaplaning schneller auftritt als gedacht, sind einige Fahrer davon überrascht und reagieren entweder zu stark oder zu spät. Die Folgen reichen von harmlosen Schreckmomenten bis hin zu schweren Unfällen. So kann das Fahrzeug ausbrechen oder ins Schleudern geraten oder es kann mit anderen Fahrzeugen oder Hindernissen kollidieren. Um besser in solchen Situationen reagieren zu können, empfiehlt es sich, ein Fahrsicherheitstraining mit dem eigenen PKW zu absolvieren.
Wo und wie kann man das Fahren mit Aquaplaning üben?
Ein Fahrsicherheitstraining macht man am besten in einem Fahrsicherheitszentrum. Dort gibt es spezielle Trainingsflächen mit Wasserglätte, auf denen Du in sicherer Umgebung erlebst, wie sich Aquaplaning anfühlt. Der Vorteil solcher Trainings ist, dass Du ein besseres Verständnis erhältst, wie Dein Fahrzeug in bestimmten Situationen reagiert. Der ADAC hat solche Trainingszentren und bietet sogenannte PKW-Intensiv-Trainings an. Da lernst Du:
- Das richtige Reagieren im Ernstfall.
- Gefahren frühzeitig zu erkennen.
- Das Fahrzeug auch in Extremsituationen zu kontrollieren.
- Verbesserung des Reaktionsvermögens.
- Optimieren der Handlungsabläufe in Gefahrensituationen.
- Vertiefen von Fahrtechniken
Ein solches Training ist eine wertvolle Investition in Deine Sicherheit. Wenn Du diese Tipps beherzigst, kannst Du das Risiko minimieren und im Ernstfall gelassen reagieren. So kann Dich Aquaplaning zukünftig nicht mehr überraschen und Du bist immer sicher unterwegs.