Was ist eine Umweltplakette und welche gibt es?
Die Umweltplakette (auch Feinstaubplakette genannt) ist ein runder Aufkleber, der anzeigt, wie viel Schadstoffe Dein Auto ausstößt. Sie wird vom Kraftfahrzeugbundesamt (KBA) genehmigt und durch autorisierte Stellen wie Zulassungsstellen, TÜV, Dekra oder Werkstätten ausgegeben. Das Ziel ist es, Fahrzeuge nach ihrer Emissionsklasse zu kennzeichnen, damit Städte den Zugang von besonders schadstoffreichen Fahrzeugen begrenzen können.
In Deutschland gibt es drei Farben für die Feinstaubplakette:
- Rot: Euro 2 oder schlechter – in der Regel keine Zufahrt in Umweltzonen
- Gelb: Euro 3 – heute kaum noch relevant, da viele Zonen nur noch Grün erlauben
- Grün: Euro 4 oder besser – freie Fahrt in fast allen Umweltzonen
Die grüne Plakette ist die am häufigsten benötigte Plakette. Daher achten Autokäufer vor allen Dingen darauf, ob das neu erworbene Fahrzeug auch die Kriterien dafür erfüllt.
Warum gibt es überhaupt Umweltzonen und was bewirken die Feinstaubplaketten?
Die Umweltzonen wurden eingeführt, um die Feinstaubbelastung in Städten zu reduzieren. Das dient dem Gesundheitsschutz, insbesondere für Menschen mit Atemwegserkrankungen oder Herzproblemen. In Deutschland gibt es aktuell 36 Umweltzonen, nachdem am 22.04.2025 die Umweltzone von Freiburg aufgehoben wurde. Beim Einfahren in eine Umweltzone zeigt ein Verkehrsschild mit der Bezeichnung Umweltzone mit rotem Kreis, ab wann die Plakette zum Weiterfahren erforderlich wird.
Gibt es nur das Schild Umweltzone, ohne weitere Zusatzschilder oder mit dem Zusatzschild, wo nur die grüne Plakette abgebildet ist, dann dürfen ausschließlich nur Fahrzeuge passieren, die eine grüne Plakette haben. In einigen Städten gibt es jedoch darunter Zusatzschilder auf denen weitere Plakettenfarben zu sehen sind. Dann dürfen auch Fahrzeuge mit diesen Plaketten in das Gebiet reinfahren.
Wichtig: Wer ohne passende Plakette einfährt, riskiert ein Bußgeld in Höhe von 100 Euro, unabhängig davon, ob das Auto die Voraussetzungen eigentlich erfüllt!
Die Plaketten sollen den Anteil besonders schadstoffarmer Fahrzeuge im Stadtverkehr erhöhen. Vor allem Diesel-Fahrzeuge älterer Baujahre sind von Einfahrverboten betroffen. Wer die Euro 6 Plakette (also ein Euro 6-Fahrzeug mit grüner Umweltplakette) besitzt, ist aktuell in Deutschland am besten aufgestellt.
Wie bekommst Du eine grüne Plakette?
Dein Fahrzeug muss mindestens die Abgasnorm Euro 4 (Benziner) oder Euro 6 (Diesel) für eine grüne Plakette erfüllen. Die genaue Norm findest Du in der Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein) unter Feld 14.1. Auch viele ältere Fahrzeuge können nachgerüstet werden (z. B. mit Dieselpartikelfiltern), um die Plakette zu erhalten.
Die grüne Plakette bekommst Du bei:
- Zulassungsstellen
- Prüforganisationen (z. B. TÜV, Dekra, GTÜ)
- Werkstätten
- Online-Diensten
- Ausgewählten Tankstellen
Erforderliche Unterlagen:
- Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I)
- ggf. Nachweis über Nachrüstung (bei älteren Fahrzeugen)
Dauer: In der Regel wird die Plakette direkt vor Ort ausgestellt oder innerhalb weniger Tage per Post zugeschickt.
Eine Umweltplakette kann man auch an manchen Tankstellen kaufen, insbesondere an Autobahnen oder in der Nähe von Umweltzonen. Hier solltest Du aber die Preise vergleichen, denn es kann Unterschiede geben. Zudem musst Du Deinen Fahrzeugschein dabeihaben.
Wie bringst Du die Plakette richtig an?
Beim Ausstellen der Umweltplakette (egal ob grün, gelb oder rot) wird das amtliche Kennzeichen Deines Fahrzeugs dauerhaft auf die Plakette gedruckt oder geschrieben. Diese Kombination aus Plakette und Kennzeichen ist fahrzeuggebunden und nicht übertragbar. Du darfst eine Umweltplakette nicht auf ein anderes Fahrzeug kleben, auch wenn es dieselbe Emissionsklasse hat. Im Rahmen einer Verkehrskontrolle wird auch immer die Plakette geprüft, ob das dort angegebene Kennzeichen auch mit dem am Auto übereinstimmt.
Die Umweltplakette gehört gut sichtbar auf die Innenseite der Windschutzscheibe, meist unten rechts (Beifahrerseite). Wichtig ist, dass sie von außen lesbar ist und nicht durch Tönungsfolie oder andere Aufkleber verdeckt wird. Die Feinstaubplakette ist fahrzeuggebunden und zeitlich unbegrenzt gültig, solange sich nichts am Fahrzeug ändert (z.B. Umbau, neue Motorisierung) und die Windschutzscheibe nicht ausgetauscht wird. Austauschen muss man die Feinstaubplakette nur, wenn die Farbe zu stark verblasst oder das eingetragene Kennzeichen auf der Plakette nicht mehr zu lesen ist.
Wenn Du das Auto verkaufst oder verschrottest, solltest Du die Umweltplakette ebenfalls entfernen, sofern das bisherige Kennzeichen abgemeldet wird. Das Entfernen geht am besten mit einem Ceranfeld-Schaber oder durch vorsichtiges Erwärmen mit einem Föhn. Rückstände kannst Du mit Reinigungsalkohol entfernen.
Welche Fahrzeuge sind vom Verkehrsverbot für Umweltzonen grundsätzlich ausgenommen?
Einige Fahrzeuge sind von der Plakettenpflicht befreit und dürfen in alle Zonen einfahren. Dazu gehören unter anderem:
- Motorräder, Roller und 3-rädrige Kraftfahrzeuge
- Oldtimer mit H-Kennzeichen
- Arbeitsmaschinen
- Land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen
- Mobile Maschinen / Geräte
- Sonderfahrzeuge wie Feuerwehr, Polizei, Krankenwagen
- Fahrzeuge von schwerbehinderten Personen mit Merkzeichen „aG“, „H“ oder „Bl“
Was ist die blaue Umweltplakette?
Eine lange Zeit wurde in Deutschland noch über eine blaue Umweltplakette gesprochen und war ein stark kontrovers diskutiertes Thema. Die blaue Umweltplakette war als neue Stufe im bestehenden Feinstaubplaketten-System gedacht. Ziel war es, auch den Ausstoß von Stickoxiden (NOx) vor allem bei älteren Diesel-Fahrzeugen zu begrenzen. Während sich die bisherige grüne Plakette auf Feinstaubemissionen bezog, sollte die blaue Plakette die Einfahrt in besonders belastete NOx-Umweltzonen regeln.
Die blaue Plakette sollte nur Fahrzeuge mit folgenden Merkmalen erhalten:
- Benziner: mindestens Euro 3 mit geregeltem Katalysator
- Diesel: mindestens Euro 6 (Euro 6d-TEMP oder Euro 6d)
Ältere Diesel mit Euro 5 oder schlechter wären ausgeschlossen worden, selbst wenn sie eine grüne Plakette haben. Allerdings gab es heftigen Widerstand gegen die Einführung aus der Politik, der Wirtschaft und aufgrund rechtlicher Unsicherheit. Aus diesem Grund wurde die blaue Plakette bisher nie bundesweit eingeführt und wird es aller Wahrscheinlichkeit nach auch nie werden. Stattdessen setzen Städte wie Stuttgart, Hamburg oder Berlin auf Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge unter Euro 6, geregelt über Verkehrsschilder und nicht über eine neue Plakette.
Umweltzonen im Ausland: Frankreich & Co.
Die Einführung der Umweltzonen, der sogenannten Low Emission Zones (LEZ), ist eine europaweite Maßnahme gegen die Feinstaubbelastung. Daher finden sich solche Zonen auch in anderen Ländern, unter anderem auch in folgenden Nachbarländern:
- Frankreich: Das Pendant zur Umweltplakette ist die Crit’Air-Vignette
- Italien: ZTL-Zonen in Städten wie Mailand oder Rom
- Spanien: Einführung von Umweltplaketten im Zuge des „Plan Aire“
- Österreich: IG-L-Zonen, besonders auf Autobahnen
Wenn Du ins Ausland reist, informiere Dich immer rechtzeitig vorab über die geltenden Vorschriften, so dass Du auch genug Zeit hast, Dir vor Antritt der Reise eine lokale Umweltplakette zu besorgen. Da es speziell in Frankreich seit 2025 verschärfte Regeln gibt, möchten wir Dir das französische System genauer vorstellen.
Umweltzonen in Frankreich: Was Du wissen musst
Frankreich verwendet ein eigenes System namens Crit’Air zur Kennzeichnung von Fahrzeugen hinsichtlich ihrer Emissionen. Diese Plakette ist verpflichtend, wenn Du in eine aktive Umweltzone oder bei hoher Luftverschmutzung in eine temporäre Zone einfahren willst.
Achtung: Die deutsche Umweltplakette gilt in Frankreich nicht. Du brauchst zwingend eine französische Plakette, selbst wenn Dein Auto in Deutschland eine grüne Plakette trägt.
Die französische Umweltplakette gibt es in sechs Farben/Kategorien – abhängig von Kraftstoffart, Abgasnorm und Erstzulassung:
- Crit’Air 1 (lila): Euro 5+6 Benzin, ab Jan 2011
- Crit’Air 2 (gelb): Euro 5+6 Diesel, Benziner Euro 4
- Crit’Air 3 (orange): Diesel Euro 4, Benzin Euro 2+3
- Crit’Air 4 (rot): Diesel Euro 3
- Crit’Air 5 (grau): Diesel Euro 2
- Keine Plakette: Diesel unter Euro 2 oder Benziner unter Euro 2
Unter anderem in diesen Städten und Regionen ist die Crit’Air-Plakette verpflichtend:
- Paris und Großraum (ZFE-m) – besonders streng seit 2025
- Lyon
- Marseille
- Straßburg
- Grenoble
- Toulouse
- Lille
- Reims
- Rouen
- Montpellier
Zukünftig soll die Plakettenpflicht auf alle Städte mit mehr als 150.000 Einwohnern ausgeweitet werden. Abgesehen von der Erweiterung der Umweltzonen auf weitere Städte, hat Frankreich seine Freigaben nun verschärft. Seit 2025 dürfen in vielen Großstädten wie Paris, Lyon oder Marseille nur noch Fahrzeuge mit Crit’Air 1 oder 2 (entspricht Euro 6) fahren. Ältere Diesel sind weitgehend ausgeschlossen.
Wie beantrage ich die französische Umweltplakette?
Die Crit’Air-Plakette kannst Du nur online über das offizielle französische Portal bestellen:
https://www.certificat-air.gouv.fr
Dafür brauchst Du die folgenden Dokumente:
- Ein Scan oder Foto Deiner Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein)
- Deine Adresse in der EU (für den Versand)
- Gültige Zahlungsmöglichkeit (Kreditkarte empfohlen)
Die Website kann man auch auf Deutsch switchen. Die Kosten sind sehr gering und belaufen sich aktuell auf 3,11 € für die Plakette + 0,61 € Versand = 3,72 €. Ihre Gültigkeit ist unbegrenzt für das jeweilige Fahrzeug.
Was passiert, wenn man ohne Crit’Air-Plakette fährt?
Wenn Du in eine Umweltzone oder bei Smogalarm ohne gültige Crit’Air-Plakette fährst, droht Dir:
- Ein Bußgeld von 68 € (bei Pkw)
- Eventuell Einreiseverweigerung, z.B. bei Polizeikontrollen
- In Zukunft auch digitale Überwachung per Kennzeichenscanner
Tipp: Bestelle die Plakette mindestens zwei Wochen vor Reiseantritt, da es zu Verzögerungen beim Versand kommen kann. Drucke Dir zur Sicherheit die Bestellbestätigung aus, falls die Plakette noch nicht angekommen ist – sie wird bei einer Kontrolle manchmal akzeptiert.
Eine Umweltplakette ist notwendig in den meisten europäischen Ländern
Auch wenn es schon erste Versuche gibt, dass die jeweiligen Feinstaubplaketten in anderen europäischen Ländern akzeptiert werden, sind sie derzeit noch nicht allgemeinhin akzeptiert. So kocht jedes Land noch sein eigenes Süppchen, was für uns Autofahrer bedeutet, dass man für jedes Land, in das man fahren möchte, lokale Umweltplaketten benötigt. Plane Deine Fahrten durch Umweltzonen daher frühzeitig und informiere Dich über aktuelle Regelungen. Die meisten Plaketten kann man vorab online kaufen und sich schon nach Hause liefern lassen, so dass man vor Ort bei der Einreise keinen Stress hat.
Wenn Du in Deutschland unterwegs bist, solltest Du in regelmäßigen Abständen prüfen, ob die Plakette am Auto noch gut genug zu lesen ist. Sofern das Fahrzeug keine grüne Plakette hat, sondern eine rote oder gelbe, musst Du beim Einfahren in die Umweltzone der jeweiligen Stadt darauf achten, ob sie für Deine Plakette freigegeben ist. So sparst Du Dir Ärger und schonst Deinen Geldbeutel.