Welche Autos haben eine Steuerkette und warum eigentlich nicht alle?
Wer sich, wie ich, intensiver mit dem Innenleben eines Motors beschäftigt hat, weiß, dass die Steuerkette ein unscheinbares, aber entscheidendes Bauteil ist. Sie ist dafür verantwortlich, dass Kolben und Ventile millimetergenau im richtigen Moment arbeiten und das tausende Male pro Minute. Läuft die Kette nicht präzise, verliert der Motor nicht nur Leistung, sondern es kann zu größeren Schäden kommen. Dann fallen schnell hohe Reparaturkosten an.
Viele Jahrzehnte lang galt die Steuerkette als „wartungsfrei“. Doch heutzutage gibt es viele Motoren, bei denen diese Aussage nicht mehr zutrifft. Unter anderem sorgen moderne Leichtbauweisen und lange Ölwechselintervalle dafür, dass Steuerketten schneller verschleißen als früher. Jedoch haben nicht alle Autos eine Steuerkette. Manche Automobilhersteller nutzen lieber einen Zahnriemen. Ob eine Steuerkette oder ein Zahnriemen verwendet wird, hängt von den Anforderungen an die Motorsteuerung ab sowie von der Budgetplanung für das jeweilige Automodell.
Ein Zahnriemen ist leichter, da er aus einer speziellen Gummimischung besteht. Dadurch ist er leiser als eine Kette aus Metall und günstiger in der Anschaffung. Er wird häufig in kleineren oder kompakteren Motoren verwendet, wie etwa bei vielen VW-, Ford- oder Renault-Modellen. Allerdings muss er regelmäßig gewechselt werden, während eine Steuerkette langlebiger, robuster und meist wartungsfrei ist. Klassischerweise werden Steuerketten vor allem bei Motoren verbaut, die auf Langlebigkeit ausgelegt sind. Marken wie BMW, Mercedes, Toyota oder Nissan nutzen sie häufig. Auch zahlreiche VW-TSI-Motoren der ersten Generation arbeiten mit einer Steuerkette.
Interessant ist, dass neben der Hauptsteuerkette in einigen Motoren zusätzliche Ketten verbaut sind, zum Beispiel für die Ölpumpe oder Ausgleichswellen. Wenn dort etwas verschleißt, können die Geräusche leicht mit einer gelängten Steuerkette verwechselt werden.
Wie sich Steuerketten voneinander unterscheiden und warum das wichtig ist
Nicht jede Steuerkette ist gleich der anderen. Die Teilehersteller verwenden verschiedene Kettenformen, jeweils abgestimmt darauf, wo sie zum Einsatz kommen. Daher wird in die folgenden Bauarten unterschieden:
- Simplex-Steuerketten setzen sich aus nur einem Kettenstrang zusammen, der die Drehbewegung von der Kurbelwelle auf die Nockenwelle überträgt. Sie werden oft in kleineren Motoren oder für Anwendungen mit geringerer Belastung verwendet.
- Duplex-Steuerketten werden durch zwei parallele Kettenstränge gebildet, die synchronisiert werden, um eine bessere Belastbarkeit und Zuverlässigkeit zu garantieren. Sie sind für den Einsatz in leistungsintensiven Motoren entwickelt worden. Die Entscheidung für Simplex- oder Duplex-Steuerketten basiert daher auf den spezifischen Anforderungen des einzelnen Motors sowie des Fahrzeugs.
- Der Unterschied zwischen geschlossenen und offenen Steuerketten und Ketten mit Schloss zeigt sich hauptsächlich in ihrer Montage und Instandsetzung.
- Eine geschlossene Steuerkette hat keine Verbindungsglieder oder ein Kettenschloss. Bei einer Wartung muss die Kette im Gesamten ausgewechselt werden. Sie sind dafür weniger anfällig, zu reißen. Daher kommen sie hauptsächlich in Motoren mit hoher Beanspruchung zum Einsatz.
- Eine offene Steuerkette dagegen besitzt mehrere Verbindungsglieder, wodurch es möglich ist, die Kette bei Bedarf zu öffnen, um sie zu säubern oder einzelne Glieder auszutauschen. Es muss somit nicht die gesamte Kette ersetzen werden. Das macht die Wartung günstiger. Allerdings sind die Verbindungsglieder anfälliger für Schäden durch Verschleiß, wodurch diese Kette statistisch häufiger als geschlossenen Steuerketten gewechselt werden muss.
- Eine Steuerkette mit Kettenschloss enthält ein spezielles Verbindungsglied, womit sich die Steuerkette einfach öffnen lässt. Es sind dafür weder ein spezielles Werkzeug, noch besondere Fähigkeiten nötig. Diese spezielle Verriegelung macht den Austausch einfacher. Allerdings muss die Kette als Ganzes getauscht werden. Es können keine einzelnen Glieder gewechselt werden.
- Eine Zahnkette ist eine besondere Art von Steuerkette, entwickelt, um eine noch genauere Synchronisation der Ventilsteuerung im Verbrennungsmotor zu ermöglichen. Eine Zahnkette greift mit ihren Zähnen in entsprechende Zahnräder oder Ritzel ein und bietet damit eine präzisere Steuerung der Ventilbewegung. Damit ist eine gesteigerte Motorperformance möglich und erhöht die Langlebigkeit der Kette.
Es gibt kein festes Wechselintervall für die Steuerkette. Im Allgemeinen gilt sie als „wartungsfrei“ und sollte nur bei Problemen oder deutlichen Geräuschen getauscht werden. Trotzdem lohnt sich eine Kontrolle ab etwa 100.000 km, besonders bei Fahrzeugen, die viele Kurzstrecken fahren oder einen erhöhten Ölverbrauch zeigen.
Warum kann eine Steuerkette kaputt gehen?
Auch wenn eine Steuerkette aus hochwertigem Stahl besteht, nutzt sie sich dennoch mit der Zeit ab. Zusätzlich besteht sie aus vielen kleinen Gelenken, die sich bei jedem Motorumlauf minimal bewegen. Mit zunehmendem Verschleiß entsteht an diesen Gelenken Spiel. Das führt dazu, dass sich die Kette dehnt. Neben dem altersbedingten Verschleiß ist die häufigste Ursache, warum eine Steuerkette kaputt gehen kann, eine schlechte oder unzureichende Schmierung der Kette. Viele Autofahrer unterschätzen, wie sehr ein Ölwechselintervall über das Leben der Steuerkette entscheidet. Altes oder verdicktes Öl schmiert schlechter, gelangt langsamer in den Kettenbereich und führt dazu, dass die Gelenke im Inneren schneller ausschlagen.
Noch problematischer sind Kurzstrecken und viele Kaltstarts. Gerade beim Starten eines Motors ist der Ölfilm am dünnsten. In den ersten Sekunden läuft die Kette quasi „trocken“ und genau dieser Moment ist der verschleißintensivste im gesamten Motorleben. Wenn ein Auto immer nur wenige Kilometer bewegt wird, gelangt nicht genug Öl an die Kette. Durch diese höhere Belastung dehnt sich die Kette viel schneller als geplant.
Hinzu kommen temperaturbedingte Materialspannungen, verschlissene Führungsschienen, nachlassende hydraulische Kettenspanner und konstruktive Schwachstellen einzelner Motorbaureihen. In Motoren wie manchen VW-TSI oder BMW-Dieseln der N47-Reihe gehört die gelängte Steuerkette leider zu den typischen Schadensbildern.
Hat sich eine Steuerkette verlängert, kann der Kettenspanner nicht mehr die richtige Spannung halten und die Kette hängt durch. Damit ist keine optimale Kettenführung mehr gegeben. Je lockerer die Steuerkette hängt, umso größer ist die Gefahr, dass sie überspringt oder gar von den Führungsrollen abspringt.
Welche Symptome deuten auf eine kaputte Steuerkette hin?
Wenn eine Steuerkette verschleißt, tut sie das selten heimlich. Es gibt typische Warnsignale, die Du ernst nehmen solltest. In der Praxis erlebe ich häufig, dass das Rasseln zunächst nur kurz beim Kaltstart auftritt und von vielen Fahrern ignoriert wird. Spätestens wenn das Geräusch auch im warmen Zustand hörbar ist, ist der Steuertrieb meist bereits deutlich verschlissen. Daneben deuten folgende Symptome auf eine kaputte Steuerkette hin:
Daneben deuten folgende Symptome auf eine kaputte Steuerkette hin:
- Unruhiger Motorlauf, vor allem im Leerlauf
- Leistungsverlust: der Motor wirkt „träge“
- Aufleuchtende Motorkontrollleuchte wegen fehlerhafter Steuerzeiten
- Startprobleme oder kurze Fehlzündungen
Wenn Du solche Symptome bemerkst, solltest Du nicht weiterfahren! Lass die Kette sofort prüfen. Nur so verhinderst Du, dass die Steuerkette reißt und zu einem größeren Motorschaden führt. Sollte die Steuerkette bereits gerissen sein, ist der Motor schon beschädigt, da es zu einem Kolben-Ventil-Kontakt kommt. Hier hilft nur:
1. Motor nicht mehr starten!
2. Fahrzeug abschleppen lassen
3. Von einer Werkstatt prüfen lassen, ob eine Reparatur wirtschaftlich ist.
Wer jedoch regelmäßig, die Steuerkette prüft, kann rechtzeitig die Steuerkette wechseln und so die Folgeschäden vermeiden. Für einen Steuerkettenwechsel fallen in einer Werkstatt durchschnittlich die folgenden Kosten an:
- Bei Kleinwagen: 600 – 1.000 €
- Bei Mittelklassewagen: 1.000 – 1.500 €
- Bei Premiumklassen: 1.500 – 2.500 €
Der Großteil dieser Summe entfällt auf die Arbeitszeit, abhängig davon, wie gut erreichbar die Steuerkette ist und wie umfangreich der Austausch. Die Materialkosten selbst, also Kettensatz, Spanner, Führungsschienen und Dichtungen, bewegen sich in den meisten Fällen im dreistelligen Bereich. Empfehlenswert ist es immer, alle Anbauteile, die im Steuertrieb mitlaufen, gleich mit auszutauschen. Auch das Motoröl und damit auch der Motorölfilter können direkt gewechselt werden, da das Öl sowieso zum Arbeiten abgelassen werden muss.
Aufgrund der hohen Kosten wollen einige diese Kosten reduzieren und die Steuerkette lieber selber wechseln. Doch Achtung: Das Steuerkette wechseln ist kein Job für Anfänger, aber mit Erfahrung und Werkzeug ist es machbar.
Wie wird eine Steuerkette gewechselt?
In dieser Anleitung zeige ich Dir Schritt für Schritt, wie man eine Steuerkette wechselt.
1. Vorbereitung:
- Batterie abklemmen
- Motoröl ablassen
- Motorabdeckung und Riemen entfernen
2. Zugang schaffen:
- Ventildeckel und ggf. Teile der Front demontieren
- Steuergehäuse öffnen
3. Kurbelwelle auf OT (oberer Totpunkt) stellen – Markierungen beachten!
4. Alte Steuerkette entfernen:
- Kettenspanner entspannen
- Kette und ggf. Führungsschienen ausbauen
5. Neue Kette einbauen:
- Neue Führungsschienen, Spanner und ggf. Zahnräder einsetzen
- Neue Kette auflegen, Markierungen ausrichten
6. Motor von Hand durchdrehen und prüfen, ob die Steuerzeiten stimmen.
7. Dichtungen erneuern, Öl auffüllen, Batterie anklemmen.
8. Probelauf: Prüfen, ob Motor ruhig läuft und kein Rasseln mehr zu hören ist.
Aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen als Automechatroniker, empfehle ich allen, die die Steuerkette selbst wechseln wollen, unbedingt darauf zu achten, dass die Steuerzeiten exakt eingestellt sind. Auch die Drehmomentvorgaben des Herstellers sollten eingehalten werden. Selbstverständlich sollte es sein, beim Wechseln auf Sauberkeit zu achten. Schon kleine Schmutzpartikel könnten später Probleme in der Motorsteuerung machen. Wenn Du das alles beachtest, wirst Du mit dem Steuerkettenwechsel erfolgreich sein.
Wie kannst Du die Lebensdauer der Steuerkette verlängern?
Damit Du die Steuerkette nicht zeitnah wieder wechseln musst, gebe ich Dir hier noch ein paar Experten-Tipps mit auf den Weg:
- Regelmäßige Ölwechsel mit hochwertigem Motoröl
- Ruhiger Fahrstil (keine hohen Drehzahlen im kalten Zustand)
- Kurzstrecken vermeiden, um gute Schmierung sicherzustellen
Eine gut gepflegte Steuerkette hält problemlos über 250.000 Kilometer. Viele Schäden entstehen schlicht durch mangelnde Wartung oder falsche Nutzung.
Eine Steuerkette ist robust – aber nicht unverwundbar
Die Steuerkette gilt oft als langlebiges Bauteil, das ohne große Beachtung auskommt. Doch moderne Motoren sind komplexer, leichter und thermisch stärker belastet als früher. Dadurch hat die Steuerkette ihre „ewige Haltbarkeit“ verloren. Mit dieser Anleitung hast du gelernt, die Warnsignale zu erkennen und den Motor richtig zu pflegen. Dadurch vermeidest Du kostspielige Schäden und kannst die Lebensdauer der Steuerkette erhöhen. Sollte es doch nötig sein, die Steuerkette zu wechseln, weißt Du jetzt, wie der Ablauf ist.
Wichtige Fragen zu den Steuerketten
Wie merkt man, dass die Steuerkette gelängt ist?
Eine gelängte Steuerkette erkennst Du an einem Rasseln beim Kaltstart, einem unruhigen Motorlauf, Fehlzündungen oder einer aufleuchtenden Motorkontrollleuchte.
Was kostet es, eine Steuerkette wechseln zu lassen?
Abhängig vom Motor fallen Kosten zwischen 600 und 2.500 Euro für den Wechsel an. Der größte Kostenanteil entfällt auf die Arbeitszeit, da der Zugang zur Kette oft schwierig ist.
Kann ich weiterfahren, wenn die Steuerkette rasselt?
Nein. Ein rasselnder Motor deutet darauf hin, dass die Steuerkette zu locker ist. Weiterfahren kann zu einem Überspringen oder Reißen und damit zu einem Motorschaden führen.
Warum längt sich eine Steuerkette?
Die Hauptursachen sind schlechtes Öl, zu viele Kaltstarts, zu viele Kurzstrecken, hohe thermische Belastungen und verschlissene Führungsschienen oder Kettenspanner.
Wie lange hält eine Steuerkette?
Bei guter Pflege hält eine Steuerkette über 200.000 bis 250.000 km.
Kann man eine Steuerkette selbst wechseln?
Ja, erfahrene Schrauber können eine Steuerkette selbst wechseln. Der Wechsel erfordert die exakte Einstellung der Steuerzeiten und Spezialwerkzeug.
Was ist besser: Steuerkette oder Zahnriemen?
Eine Steuerkette ist langlebiger und robuster. Dafür ist sie aber teurer in der Reparatur. Ein Zahnriemen dagegen ist günstiger und leiser. Allerding muss er regelmäßig gewechselt werden.
Wann sollte man eine Steuerkette wechseln?
Eine Steuerkette sollte dann gewechselt werden, wenn sie Geräusche macht, oder sie Probleme mit den Steuerzeiten verursacht. Sie hat kein festes Intervall und wird nur bei Verschleiß oder Symptomen ersetzt.